Was kostet ein Unternehmenskauf wirklich? Ein Praxisüberblick

Eigenkapital, Fremdkapital & Förderungen: Wie viel Kapital ist nötig?
Nur die wenigsten Käufer finanzieren einen Unternehmenskauf vollständig aus eigenen Mitteln. In der Praxis sind Fremdfinanzierungsquoten von bis zu 60–70 % (also etwa das 3-fache des Eigenkapitals) üblich – abhängig von Bonität, Geschäftsmodell und Verhandlungsgeschick. Die Kapitalstruktur ist dabei oft vielfältiger und kann umfassen:
Eigenkapital
- Persönlich eingebrachte Mittel, die in der Regel sowohl für den Kaufpreis als auch sämtliche Nebenkosten (z. B. Beratung, Due Diligence, Notar) benötigt werden. Banken finanzieren diese Transaktionskosten selten mit.
- Investorenbeteiligungen: Gerade bei größeren Transaktionen oder begrenztem Eigenkapital bringen externe Investoren zusätzliches Eigenkapital ein (equity injection). Das erhöht den finanziellen Spielraum, geht aber meist mit einer Beteiligung an zukünftigen Gewinnen und Mitspracherechten einher.
Fremdkapital
- Klassische Bankdarlehen sind weiterhin das Rückgrat der KMU-Finanzierung im DACH-Raum. Typisch ist ein Leverage von 2–3x Eigenkapital, vorausgesetzt werden ein tragfähiges Geschäftsmodell, Sicherheiten und häufig persönliche Bürgschaften.
SBA-Finanzierung:
In den USA weit verbreitet, in Europa kaum verfügbar.
Öffentliche Fördermittel (z. B. KfW, AWS):
In Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen Förderbanken wie die KfW (Deutschland) oder AWS (Österreich) eine zentrale Rolle bei der Finanzierung von Unternehmensnachfolgen. Sie bieten häufig zinsgünstige Darlehen, lange Laufzeiten und teilweise Haftungsfreistellungen – und sind daher für viele Käufer ein entscheidender Baustein im Finanzierungsmix.
Fazit:
Die Wahl des Finanzierungsmodells beeinflusst Eigenkapitalbedarf, Flexibilität und Mitspracherechte maßgeblich. Für viele Käufer im DACH-Raum bleibt die klassische Bankenfinanzierung, ggf. ergänzt durch Fördermittel, der Standard. Wichtig zu beachten, auch Nebenkosten (z. B. Beratung, Due Diligence, Notar) müssen in der gesamten Finanzierungssumme bedacht werden.
3 Wege zur Suche
Klassische Finanzierung:
Im DACH-Raum weiterhin Standard. Voraussetzungen: tragfähiges Geschäftsmodell, Sicherheiten, oft persönliche Bürgschaften. Leverage meist 2–3x Eigenkapital. Öffentliche Fördermittel (z. B. KfW) können die Finanzierung ergänzen oder absichern.
Investorenbeteiligungen & Search Funds:
- Klassischer Search Fund:
Investoren stellen Eigen- und Fremdkapital für Such- und Akquisitionsphase bereit. Der Suchende bringt Management-Know-how und Branchenkenntnis ein, Investoren bieten Kapital, Mentoring und strategische Unterstützung. Bei erfolgreichem Deal erhält der Suchende eine erfolgsabhängige Beteiligung, Investoren behalten Kontrollrechte. - Vorteile: Geringerer Eigenkapitalbedarf, Zugang zu Erfahrung und Kapital, professionelle Unterstützung.
- Nachteile: Abgabe von Anteilen und Einfluss, Mitbestimmung der Investoren.
- Self-Funded Search:
Die Suchphase wird primär aus eigenen Mitteln oder mit begrenztem Fremdkapital finanziert. Investoren werden – wenn überhaupt – erst für die Übernahme hinzugezogen, meist als reine Kapitalgeber ohne weitreichende Kontrollrechte. - Vorteile: Maximale unternehmerische Freiheit, höhere Eigenbeteiligung, flexible Strukturierung.
- Nachteile: Höheres persönliches Risiko, begrenzte Ressourcen während der Suche, und vor allem ein „Henne-Ei-Problem“: Investoren, die nicht schon in der Suchphase beteiligt waren, stehen für die Übernahme oft nicht unmittelbar zur Verfügung. Die Investorensuche beginnt häufig erst, wenn ein konkreter Deal vorliegt – das kann zu Verzögerungen oder Unsicherheiten führen.
- Unser Service für Self-Funded Searcher:
Wir bieten Zugang zu einer kuratierten Datenbank von Investoren und Finanzierungspartnern, die speziell an unternehmerisch geführten Nachfolgelösungen interessiert sind. So können Sie unternehmerische Eigenständigkeit mit flexibler Finanzierung kombinieren.
Typische Kostenpositionen beim Unternehmenskauf
Beratungskosten:
- M&A-Berater: 2–5% des Kaufpreises (oft erfolgsabhängig)
- Steuerberater/Wirtschaftsprüfer: 5.000–20.000 €
- Rechtsanwalt: 5.000–20.000 €
Due Diligence (Prüfung des Zielunternehmens):
- Finanzielle, rechtliche und ggf. technische DD: 10.000–50.000 € (je nach Komplexität und Größe)
Nebenkosten:
- Notar- und Gerichtskosten: ca. 1–2% des Kaufpreises
- Gründungs-/Übertragungskosten, Handelsregister, Gebühren: 1.000–5.000 €
Finanzierungskosten:
- Zinsen, Bearbeitungsgebühren, ggf. Bereitstellungsprovisionen
- Eigenkapitalverzinsung bei Beteiligungen/Suchfonds
Wichtiger Hinweis:
Nicht selten summieren sich die Nebenkosten auf 8–12% des Kaufpreises und müssen bei der Budgetplanung von Anfang an berücksichtigt werden.
Realistische Budgetbeispiele: Unternehmenskauf eines KMU mit 3 Mio. € Umsatz
Annahmen:
- Kaufpreis (Multiple 5x EBITDA, EBITDA 300.000 €): 1.500.000 €
- Eigenkapital: 400.000 € (ca. 27%)
- Fremdkapital: 1.100.000 €
- Nebenkosten (ca. 10%): 150.000 €
- Gesamter Kapitalbedarf: 1.650.000 €
Aufschlüsselung der Nebenkosten:
- M&A-Beratung: 45.000 €
- Due Diligence: 20.000 €
- Rechtsanwalt/Notar: 20.000 €
- Finanzierungskosten/Bankgebühren: 15.000 €
- Sonstiges: 50.000 €
Wichtige Learnings:
- Nebenkosten sind nicht zu unterschätzen und müssen im Vorfeld eingeplant werden.
- Eigenkapitalbedarf ist höher als oft angenommen, da Banken Nebenkosten und Working Capital häufig nicht mitfinanzieren.
- Die Gesamtbelastung (inkl. Tilgung und Zinsen) muss zur Ertragskraft des Zielunternehmens passen.
Fazit: Unternehmenskauf ist erschwinglicher – aber nur mit realistischem Budget
Wie in „Buy Then Build“ betont, ist Unternehmenskauf für viele Executives erschwinglicher als oft angenommen – vorausgesetzt, die Finanzierung ist solide geplant und alle Kosten sind realistisch kalkuliert. Wer die Nebenkosten unterschätzt oder zu wenig Eigenkapital einplant, riskiert böse Überraschungen. Eine professionelle Beratung und ein strukturiertes Vorgehen sind daher unverzichtbar.